Cover des Podcasts „Sauber macht glücklich“ von Tim Baral

Sauber macht glücklich – Der Podcast · Folge 2 · 9 Min.

Sauberkeit im WC – was Rücksicht mit Hygiene zu tun hat

Wir alle wünschen uns eine saubere Toilette. Doch wie hinterlassen wir sie für den Menschen nach uns?

In dieser Folge spricht Tim Baral darüber, warum Sauberkeit im WC mehr ist als reine Reinigung. Es geht um Gewohnheiten, Rücksicht und Verantwortung – zu Hause, in der Schule und auf öffentlichen Toiletten.

Vielleicht zeigt sich unsere Haltung gerade dort besonders deutlich, wo niemand zusieht.

Sauberkeit beginnt bei uns selbst – und wirkt weit darüber hinaus.

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Tim Baral präsentiert „Sauber macht glücklich“, der Hygiene-Podcast. Von und mit Tim Baral, als Interviewpartner Siegfried Lachmann.

Siegfried Lachmann: Herzlich willkommen, meine sehr verehrten Damen und Herren, zu einer neuen Ausgabe des Podcasts „Sauber macht glücklich“. Thema heute: Sauberkeit im WC. Wie ist das heute noch umsetzbar?

Lieber Tim, ich bin froh, dass ich mal wieder hier bei dir in Denzlingen in deinen Räumlichkeiten bin. Und ja, ich gestehe gleich zu Beginn, ich bin ja einer der Menschen, die, wenn sie in fremde WCs kommen, erst mal Lichtschalter anmachen, dann hoffe ich, dass ich nicht noch mehr anmachen muss. Dein Buch heißt „Sauber macht glücklich“, und ganz ehrlich: Gilt das auch auf der Toilette?

Tim Baral: Ja, absolut, lieber Sigi. Und genau das, weil Sauberkeit im WC ist meiner Meinung nach einer der ehrlichsten Spiegel unserer Gesellschaft. Man sieht, wie ernst Menschen Verantwortung, Respekt und Hygiene wirklich nehmen. Das kann man schon so sagen.

Siegfried Lachmann: Klingt ja fast schon so ein bisschen philosophisch. Also ist ein sauberes WC ein moralisches Statement?

Tim Baral: Ja, in gewisser Weise schon, weil es zeigt, wie wir mit gemeinsam genutzten Räumen umgehen und vor allem mit wie viel Rücksicht wir da auch füreinander übrig haben.

Siegfried Lachmann: Ja, da sagst du was. Du schreibst ja in deinem Buch, dass Sauberkeit eine Haltung ist. Aber wie sieht das heute realistisch aus? Wenn man in Schulen reinschaut, in Firmen, Raststätten, da möchte ich schon gar nicht drüber anfangen zu reden. Oder auch manches Restaurant. Sind wir einfach zu bequem geworden? Oder fehlt uns die gemeinsame Verantwortung?

Tim Baral: Ja, da würde ich mal sagen: beides. Weil mittlerweile ist das ja kein Geheimnis. Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft, und diese Mentalität dieser Wegwerfgesellschaft, die hat sich schon übertragen, bin ich der Meinung. Weil viele denken ja, da gibt es jemanden, der wird sowieso bezahlt, der hinter mir dann den Dreck wegräumt oder sauber macht. Und ja, das finde ich ein bisschen schade, weil ich bin der Meinung, Hygiene sollte keine Dienstleistung sein, sondern eher – wie möchte ich das jetzt beschreiben? – ja, Kulturleistung.

Siegfried Lachmann: Also sagst du, Sauberkeit beginnt nicht im Putzraum, sondern im Kopf?

Tim Baral: Genau, genau. Und hängt auch eng, meiner Meinung nach, mit Respekt zusammen. Ja, Respekt vor sich selbst und vor allem auch vor anderen. Ja, das ist das Wichtige.

Siegfried Lachmann: Ja, du, das ist eine spannende Aussage, weil wir ja oft denken, Sauberkeit ist einfach Wasser, Ordnung, Seife. Aber psychologisch steckt da mehr dahinter, oder?

Tim Baral: Ja, ganz klar. Und da gibt es auch tatsächlich Studien, die zeigen: Menschen fühlen sich glücklicher, zufriedener und sogar produktiver, wenn ihre Umgebung sauber ist. Und darum bin ich ja auch auf den Titel gekommen, „Sauber macht glücklich“, da stehe ich auch voll dahinter. Das ist nicht nur ein Spruch, sondern, wenn man es mal genau nimmt, eigentlich ist es Biochemie.

Siegfried Lachmann: Ja, aber wenn wir dann auf so manche Toiletten schauen, manchmal denkt man, da hätten sich ganze Armeen versteckt, ganze Garnisonen sind drüber gejagt. Warum schaffen wir es nicht, dieses Wissen, was ja anscheinend da ist, praktisch umzusetzen?

Tim Baral: Ja, das ist relativ einfach, weil Gewohnheiten sind halt stärker als Wissen. Und Hygiene wird in der Kindheit gelernt, ja, aber selten auch – wie möchte ich – emotional verankert.

Siegfried Lachmann: Ja, das mit der Kindheit, da frage ich mich manchmal auch, wenn ich aufs Klo komme, welche Kinderstube hatte wohl mein Vorgänger, der da drauf war. Jetzt mal ganz praktisch, Tim: Was kann denn jeder tun, um das Niveau im WC wirklich zu verbessern, im Alltag, in Firmen, auf Veranstaltungen, vielleicht sogar auf Raststätten?

Tim Baral: Ja, da gibt es im Endeffekt, würde ich mal sagen, drei Punkte. Erstens, und das ist meiner Meinung nach das Wichtigste, ist Vorleben statt Belehren. Zweitens Transparenz, weil Transparenz zeigt, dass Sauberkeit gewollt und auch irgendwo wertgeschätzt wird. Und drittens, ist auch so ein wichtiger Punkt: Rituale schaffen.

Und das könnte zum Beispiel in der Form von einem täglichen Check sein, dass man einfach guckt: Habe ich jetzt meine Toilette nach der Nutzung dann auch wirklich sauber verlassen? Und das sollte eher als Kontrolle dienen, als irgendwie, ja … also es sollte nicht als Kontrolle dienen, Entschuldigung, das habe ich jetzt falsch gesagt, sondern eher als Selbstverständnis.

Siegfried Lachmann: Ja, ja. Erinnert mich fast so ein bisschen an, so Richtung Unternehmenskultur, wo Sauberkeit zu einer Visitenkarte wird.

Tim Baral: Ja, genau, weil ein sauberes WC ist meistens der ehrlichste Ausdruck, wie eine Firma so tickt. Das gibt es ja beispielsweise in der Gastronomie oder so, gibt es ja auch solche Sprichwörter.

Siegfried Lachmann: Genau, die Toilette ist die Visitenkarte des Restaurants.

Tim Baral: Genau, genau.

Siegfried Lachmann: Betrachten wir es mal ein bisschen größer. Wenn du die Gesellschaft betrachtest, was müsste sich da deiner Meinung nach ändern, damit Sauberkeit nicht als lästige Pflicht, sondern so als innerer Wert zurückkehrt?

Tim Baral: Ja, ich hatte es ja anfangs schon mal erwähnt, wir müssen wieder lernen, Sauberkeit emotional zu verbinden. Also, damit es einfach wieder mit Würde, mit Achtung und mit Glück verbunden wird und nicht so als Zeichen von Zwang. Das ist, damit auch die Kinder oder die Jugendlichen das schon lernen, das sollte eher ein Zeichen von Freiheit sein. Und ich lebe ja auch nach dem Motto: Ich gestalte meine Umgebung so, dass sie mir und auch anderen guttut. Weil wenn es mir gut geht, geht es auch anderen gut.

Siegfried Lachmann: Vielleicht ist ja das WC der letzte Ort, an dem sich zeigt, wie zivilisiert wir hier wirklich sind. Tim, Hand aufs Herz: Wie viele Reinigungsmittel stehen in deinem Badezimmer?

Tim Baral: Relativ wenig, und wenn ich jetzt an meine Toilettenkeramik denke, nur eins, und das ist ein ganz handelsüblicher Glasreiniger.

Siegfried Lachmann: Ah, okay. Und was ist für dich der Inbegriff von „sauber“?

Tim Baral: Ja, für mich bedeutet das Gefühl „sauber“ das Gefühl von – wie möchte ich das beschreiben – körperliche Leichtigkeit, innere Ruhe, bewahrte Würde. So könnte ich mir vorstellen, das zu umschreiben. Und das entsteht immer dann, wenn wir uns wirklich gut fühlen, also wenn jeder selbst sich auch wirklich gut fühlt.

Siegfried Lachmann: Wann ist deiner Meinung nach Sauberkeit zu viel?

Tim Baral: Sauberkeit wird dann zu viel, sage ich, wenn sie nicht mehr guttut. Also wenn Sauberkeit eher zu Stress tendiert oder einfach, wenn man dann den Blick dafür verliert, dass Hygiene uns eigentlich unterstützen sollte und nicht beherrschen, sage ich jetzt mal.

Siegfried Lachmann: Jetzt bist du ja mit jugendlichen Menschen auch unterwegs, du hast Kinder, du hast Auszubildende. Und wenn du einem Jugendlichen nur einen Satz mitgeben dürftest, welcher wäre das?

Tim Baral: Ich würde sagen: Eine saubere Gesellschaft, die beginnt genau da, wo niemand zuschaut. Also, Jungs und Mädels, hinterlasst die Toilette so, wie ihr sie vorgefunden habt.

Siegfried Lachmann: Also ich nehme heute mal mit: Sauberkeit ist kein Putzlappenthema, sondern ein Wertethema. Sie beginnt im Inneren, zeigt sich im Äußeren und endet vielleicht bei einer einfachen Geste, nämlich dem sauberen WC.

Tim Baral: Genau, lieber Sigi, und wer das verstanden hat, hat mehr verstanden als Hygiene, nämlich Menschlichkeit.

Siegfried Lachmann: Wenn es immer so einfach wäre, ne?

Tim Baral: Ja.

Siegfried Lachmann: Tim Baral, herzlichen Dank, herzlichen Dank für das Gespräch, für auch dein Öffnen und dein Mitteilen. Und an alle, die zuhören: Wenn Sie das nächste Mal das stille Örtchen aufsuchen, denken Sie doch bitte daran, „Sauber macht glücklich“ – und vielleicht auch ein bisschen weiser. Bis zum nächsten Mal.