Andere Länder, andere Toiletten – was Reisen über Hygienekultur verrät
Wer reist, erlebt nicht nur andere Länder, sondern auch ganz unterschiedliche Vorstellungen von Sauberkeit und Toilettenhygiene.
In dieser Folge spricht Tim Baral über persönliche Reiseerlebnisse und darüber, wie unterschiedlich WC-Kultur weltweit gelebt wird. Besonders Japan zeigt, dass vieles, was wir für selbstverständlich halten, auch ganz anders sein kann.
Reisen verändert den Blick auf unsere eigenen Gewohnheiten.
Denn unsere Gewohnheiten sind nicht automatisch die einzige Möglichkeit.
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Tim Baral präsentiert „Sauber macht glücklich“, der Hygiene-Podcast. Von und mit Tim Baral, als Interviewpartner Siegfried Lachmann.
Siegfried Lachmann: Und wieder eine weitere Ausgabe des Podcasts „Sauber macht glücklich“, mit mir zusammen im Studio Tim Baral. Thema heute: Wir sind viel unterwegs, aber wo geht die Reise beim Thema Sauberkeit im WC hin? Ja, Tim, ich bin oft auf Reisen: Bahnhöfe, Flughäfen, Raststätten, Hotels, Flieger. Und jedes Mal denke ich mir, wenn man am stillen Örtchen landet, ist es manchmal alles, nur nicht still. Und du sagst, Sauberkeit ist ein Lebensgefühl. Sag mal ehrlich, wie steht es wirklich um die Hygiene unterwegs?
Tim Baral: Wir leben ja mittlerweile im 21. Jahrhundert. Aber ich verwechsel es halt selbst. Aber man könnte an vielen Orten schon meinen, dass wir im vorherigen Jahrhundert leben. Es gibt Fortschritte, ja, aber es gibt auch erschreckende Rückschritte. Und ich habe auch manchmal das Gefühl, das wird nicht besser, sondern eher schlimmer. Und Sauberkeit ist unterwegs leider oft Glückssache. Und du sprichst mir da aus dem Herzen, wenn ich da höre: Raststätten, Bahnhöfe. Also da sieht man mal wieder, wie es mit unserer Hygienekultur steht.
Siegfried Lachmann: Ja, das klingt nach einem Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Also, wo geht die Reise hin? Richtung Fortschritt oder Richtung Verwahrlosung?
Tim Baral: Ja, Verwahrlosung hört sich jetzt schon hart an. Da sind wir vielleicht nicht ganz kurz davor. Aber ich hoffe, Richtung Bewusstsein. Ja, und gerade du, wo viel reist, der sieht ja auch, dass Sauberkeit keine Selbstverständlichkeit ist, sondern ist eher eine Entscheidung von jedem Einzelnen.
Siegfried Lachmann: Ja. Also, ich finde das spannend. Der Zustand öffentlicher Toiletten sagt ja viel über ein Land aus. In Japan sind WCs, kann man schon sagen, fast futuristisch. In Deutschland, naja, sagen wir realistisch. Warum sind wir da so unterschiedlich aufgestellt?
Tim Baral: Ja, weil Sauberkeit dort ein kultureller Wert ist. Und hier bei uns ist es eher ein Kostenfaktor. In Japan ist Hygiene Teil von der Lebensart, vom Lebensstolz.
Siegfried Lachmann: Stolz.
Tim Baral: Und hier in Europa ist es eher so ein, wie möchte ich es beschreiben, organisatorisches Problem. Weil hier bei uns sehen wir die Toilette oder das WC nicht als Ort des Wohlbefindens, sondern eher als notwendiges Übel.
Siegfried Lachmann: Das heißt, es geht gar nicht ums Putzen, sondern ums Denken.
Tim Baral: Genau. Weil Sauberkeit ist eine Frage vom Bewusstsein. Und solange wir die Sauberkeit versuchen zu delegieren an andere, weil wir denken, es wird schon irgendjemand wegputzen, dann wird sie nie selbstverständlich werden. Das ist so.
Siegfried Lachmann: Jetzt kommen wir zu deiner Mission, Tim. „Ein WASHLET in jeden Haushalt“, das klingt ja fast nach einem Hygiene-Evangelium. Glaubst du, das ist auch für den öffentlichen Raum denkbar?
Tim Baral: Definitiv, ja. Da bin ich überzeugt, dass so ein WASHLET nicht nur Komfort bringt, sondern auch viele, viele Hygieneprobleme lösen wird. Man hat es ja schon häufiger gehört jetzt in diesen Folgen. Aber so ein WASHLET reduziert halt den Papierverbrauch. Und es verhindert viele Verschmutzungen. Und es erhöht halt das Wohlbefinden ganz drastisch.
Ja. Und dann wird automatisch sich auch das Bewusstsein ändern. Und viele Menschen, mit denen ich gesprochen habe, wo ich mir Rückmeldungen geholt habe, durch die Bank weg, es möchte niemand mehr missen. Also heißt es für mich, in diesen Köpfen hat sich das Bewusstsein geändert. Und das ist für mich der Beleg dafür, dass wir gar nicht so verkehrt sind.
Siegfried Lachmann: Hightech als Hygienetrainer?
Tim Baral: Ja, ja. Könnte man genau so sagen, ja. Und für mich ist das WASHLET nicht nur Technik, sondern es hat schon ein bisschen was mit Haltung zu tun. Und das sagt mir persönlich, dass ich mich ernst nehme. Weil ich möchte mich ja pflegen, ich möchte mich selber wohlfühlen. Und dazu muss ich mich ernst nehmen. Und dann kann ich auch andere ernst nehmen. Und ich will halt, dass es sauber bleibt.
Siegfried Lachmann: Ich erlebe ja oft, Menschen ekeln sich, aber sie verändern nichts. Warum ist das so? Warum nehmen wir schlechte Hygieneverhältnisse einfach so hin?
Tim Baral: Weil, die Frage habe ich mir auch schon aufgestellt und bin dann zu dem Ergebnis gekommen, weil Ekel ist ja so ein kurzfristiges Gefühl. Hat aber nicht wirklich eine langfristige Konsequenz. Vielleicht schon ein bisschen, ja, wenn man es mal genauer nimmt. Aber da reagiert man halt menschlich. Und menschlich ist emotional. Aber handeln tun wir halt deswegen nicht strukturierter. Und so ein WASHLET oder die sauberen Toiletten allgemein, die sind für mich ein Symbol dafür, dass wir Verantwortung nicht nur fühlen, sondern auch leben.
Siegfried Lachmann: Das heißt, Sauberkeit unterwegs ist eine Art Lackmustest für Zivilisation.
Tim Baral: Ja, Lackmustest. Ja, kann man so sagen. Kommt halt drauf an, wie wir mit den Räumen umgehen, in denen keiner zuschaut. Weil erst da zeigt sich ja, wie wir so als Gesellschaft ticken. Immer dann da, wo keiner zuschaut.
Siegfried Lachmann: Ja, jetzt auch so mal visionär für einen, der viel unterwegs ist: Wie sieht das WC der Zukunft aus? Jetzt nicht zu Hause, sondern draußen, im Hotel, im Zug, auf dem Festival. Hast du da einen Blick?
Tim Baral: Ja, wenn man jetzt mal ganz weit nach vorne schaut, kann man sagen, wahrscheinlich wird es irgendwann, wie so alles, auch mal ein bisschen digitaler werden. Das wird wahrscheinlich noch lange gehen. Aber da gibt es auch heute schon ganz verrückte Dinge, wo noch keiner wirklich drüber nachdenkt. Ich glaube, es wird nachhaltiger. Es wird sicherlich persönlicher.
Und wir werden, ich meine, das gibt es heute tatsächlich schon, zwar noch hinter verschlossenen Türen, aber wir werden Toiletten sehen, die zum Beispiel denjenigen erkennen, der drauf sitzt. Und dann hast du vielleicht irgendwann mal eine App, wo dir sagt, so, das, was jetzt da reingeplumpst ist, wird gescannt, und dann kriegst du vielleicht eine Push-Nachricht auf dein Handy, wo dann drauf steht: Du könntest mal wieder ein paar Avocado mehr essen oder so. Ja, nein, das hört sich jetzt alles verrückt an, aber das könnte schon sein, dass das irgendwann mal kommt.
Und solche Themen wie Wassersparen, Reinigen, Desinfizieren, ja, das wird wahrscheinlich in Zukunft alles auch ein bisschen mehr automatisierter vonstattengehen, ja. Und vor allem, glaube ich, das Wichtige ist, dass wir halt alles sauber bleiben, ne.
Siegfried Lachmann: Also nicht nur ein WASHLET, sondern, du hast es ja gerade mit der App auch in Verbindung gebracht, auch ein Smartlet.
Tim Baral: Smartlet, ja, das hört sich so, das sind so Begriffe, da muss ich mich selber auch immer erst ein bisschen dran gewöhnen noch. Aber man kann es schon so sagen, ja, WC der Zukunft könnte ein smarter Ort sein, ne, ein smarter Ort des Respekts, ja. Und vielleicht irgendwann, wenn man das Thema mal noch ganz weiterspinnt, der letzte Platz, an dem man vielleicht irgendwann mal noch Ruhe und ein bisschen Entspannung findet, ne.
Siegfried Lachmann: Tim, mal ehrlich, ist deine WASHLET-Mission nicht ein Luxusproblem?
Tim Baral: Ja, das wirkt jetzt vielleicht so ein bisschen wie ein Luxusproblem, aber in Wahrheit geht es hier nicht um Luxus, sondern um Gesundheit. Ich wiederhole mich: um Würde und um Lebensqualität. Und das sind ja im Endeffekt ganz grundlegende Bedürfnisse, die jeder Mensch hat.
Siegfried Lachmann: Wenn du Bundeshygieneminister wärst, was wäre dein erster Erlass?
Tim Baral: Jetzt bin ich schon Minister. Ja gut, ich würde veranlassen, dass jede öffentliche Einrichtung, wie beispielsweise Kitas, Schulen, Pflegeheime und auch andere Institutionen, dass die Zugang zu hygienischer und körpergerechter Toilette bekommen, ja. Und das wäre so mein erster Erlass wahrscheinlich.
Siegfried Lachmann: Ja, Tim, wenn ich dir so zuhöre, und das zieht sich durch jede Podcast-Folge auch durch, mit der wir hier unterwegs sind, ich merke so, das Thema Sauberkeit ist ja gar nicht so banal, wie es klingt. Es geht ja um Haltung, Würde und Zukunft. Und wenn du mal so nach vorne guckst, wo soll, wo wird die Reise hingehen?
Tim Baral: Ja, hoffentlich zurück zur Wertschätzung. Ist auch ein starker Begriff, aber das wäre mir wichtig. Und wenn man anfangen würde, so die alltäglichen Dinge wieder mehr zu achten. Und vielleicht auch an Orte, wo keiner so gern nennt, nämlich da, wo keiner zuschaut, auf dem stillen Örtchen oder Toilette oder WC, wie auch immer du dazu sagen möchtest. Und ich glaube, dann sind wir auf einem guten Weg. Sauberkeit ist für mich auch so ein bisschen Zukunftsethik.
Siegfried Lachmann: Okay, das ist ein schönes Schlusswort, Tim. Vielleicht sind WASHLET ja die stillen Revolutionäre unserer Zeit.
Tim Baral: Und wer weiß, vielleicht auch die stillsten.
Siegfried Lachmann: Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, wenn Sie das nächste Mal unterwegs sind, dann schauen Sie genau hin. Nicht nur, wohin Sie gehen, sondern wo Sie hingehen. Denn vielleicht zeigt sich dort, wie weit wir wirklich gekommen sind.