Cover des Podcasts „Sauber macht glücklich“ von Tim Baral

Sauber macht glücklich – Der Podcast · Folge 5 · 13 Min.

Wie nachhaltig ist unser Toilettengang?

Über Nachhaltigkeit sprechen wir heute in fast allen Lebensbereichen. Aber wie häufig denken wir dabei an unsere tägliche Toilettenhygiene?

In dieser Folge spricht Tim Baral über Toilettenpapier, Feuchttücher, Wasser und die Ressourcen, die mit unseren täglichen Gewohnheiten verbunden sind. Welche Auswirkungen hat unsere heutige Form der Reinigung und welche Rolle könnte die Intimreinigung mit Wasser in Zukunft spielen?

Es geht nicht darum, zu belehren, sondern eine alltägliche Gewohnheit bewusst zu hinterfragen.

Denn Nachhaltigkeit beginnt oft bei den Dingen, die wir jeden Tag tun.

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Tim Baral präsentiert „Sauber macht glücklich“, der Hygiene-Podcast. Von und mit Tim Baral, als Interviewpartner Siegfried Lachmann.

Siegfried Lachmann: Herzlich willkommen, meine sehr verehrten Damen und Herren, zur Podcast-Reihe „Sauber macht glücklich“ mit Tim Baral im Gespräch. Heute zum Thema: Jeder spricht von Nachhaltigkeit, aber wie sauber ist sie denn wirklich? WC-Hygiene zwischen Ideal und Realität.

Lieber Tim, heute reden wir mal endlich vom Thema Nachhaltigkeit, das kommt ja in der ganzen Gesellschaft viel zu kurz. Bio-Lebensmittel, E-Autos, Recycling, grüne Energie, aber in dem Zusammenhang spricht kaum jemand über nachhaltige Hygiene. Und jetzt mal ehrlich: Wie nachhaltig ist eigentlich unser täglicher Gang aufs WC?

Tim Baral: Ja, das ist vielleicht die ehrlichste Nachhaltigkeitsfrage überhaupt. Im Bad und im WC, da passiert mehr Ressourcenverschwendung, als sich der ein oder andere vielleicht vorstellt. Weil da geht es um Wasser, da geht es um Papier, da geht es um Chemie, da geht es um einen Haufen Plastik.

Ja, ich habe, wie schon mal erwähnt, ein eigenes Kapitel einfach zu dem Thema auch erstellt, weil da gerade das Thema Feuchttücher und so weiter und so fort. Also das ist ein großer Punkt und es zeigt auch den Bedarf. Und da liegt logischerweise auch meiner Meinung nach der größte Hebel, was zu verändern, wenn wir es dann vielleicht mal anders machen.

Siegfried Lachmann: Das hieße, der Wandel beginnt nicht im Garten oder auf der Straße, sondern im Bad?

Tim Baral: Genau. Nachhaltigkeit beginnt ja meistens dort, wo es keiner so auf Anhieb vermutet. Und da gehört natürlich der stillste aller Örtchen auch dazu.

Siegfried Lachmann: Tim, ich erlebe bei vielen Menschen, sie wollen unbedingt nachhaltig leben. Aber wenn es um Hygiene geht, hört der Spaß auf. Desinfektion, Duftsprays, Einwegartikel, was das ganze Drogeriemarktsortiment hergibt, Hauptsache sauber. Aber ist das ein Widerspruch oder wie passt das alles oder kann es alles zusammenpassen?

Tim Baral: Ja, das ist eigentlich das größte Paradox unserer Zeit. Alle wollen steril leben, aber nachhaltig konsumieren. Und das funktioniert so halt nicht. Und Nachhaltigkeit heißt auch nicht weniger Sauberkeit, sondern vielleicht klügere Sauberkeit. Und das bedeutet, mit weniger Ressource, aber vielleicht mehr Bewusstsein das Ganze zu nutzen.

Siegfried Lachmann: Na ja, das klingt ja schon schön, aber was heißt das konkret? Wo verschwenden wir denn am meisten?

Tim Baral: Ja, Thema Papier, Thema Reinigungsmittel. Und natürlich auch unser Lebensmittel Nummer eins, nämlich unser Trinkwasser. Und wenn man sich mal so überlegt, dass so der Durchschnittsverbrauch bei 19 Kilo Toilettenpapier pro Kopf im Jahr verbraucht wird, doch. Und ich habe das auch in meinem Buch beschrieben, das sind Zahlen. Also wenn du dir dann mal die Frage stellst, wie viele Milliarden Euro da auch umgesetzt werden jedes Jahr. Also das sind Zahlen, die haben selbst mich geschockt in Recherchearbeit, die ich gemacht habe.

Da ist unter anderem auch ein Interview dabei, wo ich mal beim Abwasserzweckverband angerufen habe, um mir das mal von einem Mitarbeiter live erklären zu lassen, was da tatsächlich abgeht. Und das ist ein interessantes Kapitel auch, aber genau um diesen Nachhaltigkeitsgedanken geht es mir da.

Siegfried Lachmann: Oh, also das ist ja ernüchternd, was du da so sagst. Das klingt ja nach einer stillen Katastrophe im stillen Örtchen.

Tim Baral: Ja, genau so ist es. Und deshalb braucht es auch neue Lösungen. Und die technischen Lösungen, die haben wir. Und ja, aber das reicht allein nicht aus, sondern es braucht halt auch vielleicht noch, wie möchte ich es sagen, eher diese mentalen Entscheidungen. Und das ist vielleicht auch ein Punkt, warum wir zwei jetzt hier stehen, weil ich einfach da ein bisschen auch Aufklärungsarbeit leisten möchte und einfach auch ein bisschen sensibilisieren möchte.

Siegfried Lachmann: Genau, Tim, da sind wir bei deiner Mission: das WASHLET. Du sagst, es sei nicht nur komfortabel, sondern auch nachhaltig. Und wie sieht die Ökobilanz wirklich aus?

Tim Baral: Ja, du hast gerade eben wieder dieses starke Wort genannt. Das WASHLET ist für mich eine Revolution, obwohl es das schon sehr, sehr lange gibt. Aber ich habe mit einem Japaner gesprochen, der hat mein Buch zum Probelesen bekommen. Für den war dieses Kapitel beispielsweise, wo es um Toilettenpapier oder Feuchttücherpapier oder andere Hygieneartikel ging, böhmische Dörfer. Er sagte, über so was redet man in Japan gar nicht.

Und ja, drum ist es für mich schon eine Revolution, kann man ganz klar so sagen, weil du brauchst weniger Papier, weniger Reinigungsmittel und somit entsteht weniger Abfall. Und der Mensch an sich fühlt sich auch noch hervorragend. Also besser geht es gar nicht. Irgendwie Sauberkeit mit Sinn.

Siegfried Lachmann: Hightech rettet Umwelt?

Tim Baral: Ja, wenn sie richtig eingesetzt wird, ja. Und diese WASHLET, die zeigen ja, dass Komfort und Nachhaltigkeit sich nicht ausschließen, sondern eher ergänzen.

Siegfried Lachmann: Also könnte man auch hier sagen: das WASHLET als Symbol einer neuen Kultur, weniger Verbrauch, mehr Bewusstsein.

Tim Baral: Genau. Und steht für das, was wir eigentlich in allen Lebensbereichen brauchen. Und das ist der, meiner Meinung nach, bewusste Luxus.

Siegfried Lachmann: Bewusst.

Tim Baral: Bewusst, genau.

Siegfried Lachmann: Nachhaltigkeit, also man hört es an jeder Ecke, ist ja oft ein Kopfthema. Jeder weiß, was richtig wäre, aber kaum jemand ändert was. Wie kriegen wir das in den Alltag, auch beim Thema Hygiene?

Tim Baral: Ja, das müssen wir emotional machen. Weil die, du, ich, alle Menschen, die handeln, nicht weil sie Fakten kennen, sondern weil sie sich mit irgendwas identifizieren können. Und wenn du jemandem zeigst, dass du mit deinem Verhalten nicht nur der Umwelt, sondern auch dir selbst was Gutes tust, ja, dann verändert sich was. Und genau das gilt auch für das Thema WC.

Siegfried Lachmann: Also auf einen Nenner gebracht: Nachhaltigkeit durch Selbstachtung?

Tim Baral: Ja, ganz klares Ja, weil Nachhaltigkeit beginnt meiner Meinung nach im Spiegel. Und nur wenn du deinen eigenen Körper selber achtest, achtest auch irgendwo auf die Ressourcen. Und so ein WASHLET ist ein Ausdruck von so einer Haltung, ja. Respekt vor sich selbst und vor allem, ja, hört sich jetzt auch wieder stark an, aber vor der Welt, ja.

Siegfried Lachmann: Ja, durchaus, ja. Ja, Tim, lass uns da noch konkret werden. Wenn jemand heute nachhaltiger im Bad leben will, was kann er da sofort verändern?

Tim Baral: Ja, kann sich zum Beispiel so ein WASHLET zulegen, ja. Und er kann auch umdenken beim Material, ja, weniger Papier, dafür mehr Qualität. Also wenn ich mich mit Wasser wasche, anstatt mit Papier zu [unverständlich], ist das Ergebnis natürlich auch viel besser.

Dann kann man auch beim Thema Reinigungsmittel einiges tun, ja. Wenn ich halt eine WC-Keramik habe als Beispiel, die eine Oberfläche hat wie eine Glasscheibe, dann verwende ich da einen ganz handelsüblichen Glasreiniger, ja. Der jetzt nicht scharf ist und nichts, sondern das reicht, wenn man dann einfach diese hygienischen, glatten Oberflächen mit sehr milden Reinigungsmitteln reinigt, ja.

Ja, auch das Wasserbewusstsein wird sich verändern, weil das Thema Trinkwasser, Trinkwasser ist unser höchstes Gut, was wir haben, ja. Und das sollte man sich ja auch nach der Toilettennutzung dann beim Händewaschen darauf achten, ja. Da muss man dann vielleicht, also Händewaschen ist wichtig, aber die Frage ist, wie mache ich das dann auch? Lasse ich jetzt dann das Wasser durchlaufen oder mache ich es nur punktuell, ja. Und ja, da sind wir dann wieder beim Thema WASHLET, weil da geht ja auch nur so viel Wasser durch, um ein perfektes Reinigungsergebnis zu erzielen, nicht mehr und nicht weniger, ja. Und nur so reden wir dann auch über das Thema Nachhaltigkeit, ja.

Siegfried Lachmann: Wo du das so gerade sagst, auch so beim Wasser laufen lassen, habe ich vor vielen Jahren schon gelernt, auch beim Zähneputzen.

Tim Baral: Ja, da gilt genau das Gleiche.

Siegfried Lachmann: Gilt das Gleiche, ja.

Tim Baral: Genau das Gleiche.

Siegfried Lachmann: Also nicht Verzicht, sondern Intelligenz im Alltag.

Tim Baral: Genau, weil Nachhaltigkeit, das sollte keine Einschränkung sein, sondern eher so eine Art, ja, wie könnte ich das jetzt beschreiben, als Art, nicht Revolution, sondern Evolution, ja.

Siegfried Lachmann: Ah, ja, genau. Tim, mal ehrlich: Wird das WASHLET die Welt retten?

Tim Baral: Nein, nein, nein, das WASHLET wird nicht die Welt retten. Aber es kann jedoch das Leben vieler Menschen wirklich spürbar verbessern. Und das ist eigentlich die Kernbotschaft, ja: jeder für sich die Lebensqualität steigern und dann wird sich auch automatisch das Umfeld verändern. Das ist die logische Konsequenz.

Siegfried Lachmann: Wenn es um Hygiene geht, sind wir Deutschen zu verkopft?

Tim Baral: Ja, kann man ganz klar so sagen, weil oft denken wir beim Thema Hygiene zu viel nach, statt einfach mal auf das zu hören, was für unseren Körper sich natürlich und gut anfühlt. Ganz einfach, man lässt sich da von vielen Dingen verrückt machen heutzutage, was gar nicht notwendig ist.

Siegfried Lachmann: Und noch eine Frage: Was meinst du, wann wird das stille Örtchen endlich Teil der öffentlichen Nachhaltigkeitsdebatte?

Tim Baral: Ja, das ist vielleicht dann, wenn die Politiker mal ihre Pressekonferenz von dort aus halten. Nee, aber im Ernst, die Revolution, die beginnt im Alltag. Und wenn Sauberkeit und Nachhaltigkeit sich miteinander verbinden, dann entsteht aus Routine auch plötzlich ein Sinn.

Siegfried Lachmann: Ja, so sehe ich das auch. Tim, wenn du auf die Zukunft blickst, was ist dein Traum?

Tim Baral: Mein Traum ist, dass Nachhaltigkeit selbstverständlich wird. Dass Kinder schon in der Schule lernen, wie man beispielsweise mit der Ressource Wasser umgeht, wie man sie verwendet für sich selbst, aber vielleicht auch zum gewissen Dinge reinigen, wie man Ressourcen schont. Weil die sind einfach begrenzt, und aber trotzdem Freude an alltäglichen Dingen hat, auch an dem Thema Hygiene. Und dass ein sauberes WC kein Luxus ist, sondern Menschenrecht.

Und wenn ich jetzt wieder gerade aktuell lese, vor kurzem war Welttoilettentag, und wenn man dann sieht, dass Millionen Menschen keinen Zugang zu überhaupt einer Toilette haben, das gibt natürlich schon zu denken.

Siegfried Lachmann: Trotzdem ein schönes Bild, was du zeichnest. Nachhaltigkeit beginnt, wo Respekt sichtbar wird. Und das, ich denke, da sind wir uns einig, ist manchmal näher, als man denkt.

Tim Baral: Ja, wie hast du vorhin so schön gesagt, vielleicht nur eine Spülung entfernt.

Siegfried Lachmann: Tim, herzlichen Dank auch für die heutige Ausgabe, für das Miteinander. Und liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, Nachhaltigkeit ist kein großes Wort, sondern ein kleiner Schritt, der im Badezimmer beginnen kann. Denn, wie sagt Tim Baral so schön: „Sauber macht glücklich, aber bewusst sauber macht die Welt ein Stück besser.“