Cover des Podcasts „Sauber macht glücklich“ von Tim Baral

Sauber macht glücklich – Der Podcast · Folge 6 · 13 Min.

Die Zukunft unserer Intimhygiene – meine Vision

Wie werden wir uns in zehn oder zwanzig Jahren nach dem Toilettengang reinigen? Wird trockenes Toilettenpapier weiterhin selbstverständlich sein oder gehört die Intimreinigung mit Wasser irgendwann ganz selbstverständlich zu unserem Alltag?

In der letzten Folge dieser ersten Podcastreise blickt Tim Baral nach vorne. Es geht um moderne Dusch-WCs, aber vor allem um die größere Idee dahinter: Wohlbefinden, Würde, Selbstbestimmung, Nachhaltigkeit und einen bewussteren Umgang mit unserem Körper.

Denn Veränderung beginnt mit Bewusstsein.

Auch zu hören auf Spotify
Transkript lesen

Tim Baral präsentiert „Sauber macht glücklich“, der Hygiene-Podcast. Von und mit Tim Baral, als Interviewpartner Siegfried Lachmann.

Siegfried Lachmann: Herzlich willkommen beim Podcast von Tim Baral, „Sauber macht glücklich“. Und heute sind wir beide miteinander im Dialog zum Thema: „Bis heute ging es ohne WASHLET, wozu also deine Vision und all die Überzeugungsarbeit“, Tim? Du weißt, was die meisten denken, wenn du über deine Mission, über deine WASHLET sprichst: Also komm, mach mal einen Punkt hier, wir haben jahrzehntelang ohne dieses Teil überlebt. Warum jetzt plötzlich Hightech im Hintern? Wie oft hörst du diesen Satz?

Tim Baral: Ja, mittlerweile täglich. Und genau das zeigt mir ja auch, wie tief unsere Gewohnheiten verankert sind oder wie tief die in uns drin sitzen. Im Endeffekt, wenn man nichts Besseres kennt, vermisst man nichts, sage ich immer. Und dann werden auch solche Unbequemlichkeiten auch einfach akzeptiert und hingenommen, weil das einfach, ja, das ist für uns normal, dass man einfach Toilettenpapier nimmt und sich da damit den Hintern abputzt.

Siegfried Lachmann: Das ist ja spannend. Also sagst du, nur weil etwas funktioniert, heißt das noch lange nicht, dass es gut ist?

Tim Baral: Genau. Weil, ja, früher hat man gesagt, Pferdekutsche habe ja auch funktioniert, bis man verstanden habe, dass es was Besseres gibt, wo dann die Bertha Benz von Karlsruhe nach Mannheim ist oder andersrum.

Siegfried Lachmann: Ja. Also, das WASHLET als Erfindung zwischen Komfort, Kulturwandel und kleiner Revolution.

Tim Baral: Ja, absolut, kann man so sagen. Und es geht mir auch wirklich um Lebensqualität und nicht um Luxus oder sonst dergleichen, sondern es geht tatsächlich um die Lebensqualität. Ganz klar, ja.

Siegfried Lachmann: Ich habe ja oft schon festgestellt, dass Veränderungen nicht für jeden Menschen was ist, vor allen Dingen nicht schnell. Aber warum, glaubst du, tun sich Menschen so schwer mit Veränderungen, gerade in dem intimsten Bereich?

Tim Baral: Ja, also in den letzten, jetzt knapp 30 Jahren und in den unendlich vielen Gesprächen, würde ich mal sagen, weil dort Scham, Tradition und auch Gewohnheit aufeinandertreffen. Ja, das merkt man ja auch in vielen Gesprächen, auch mit der Familie, die Generationenthemen. Ja, und beim Thema Hygiene, da sind wir oftmals halt emotionaler, als man sich selber vielleicht auch zugesteht.

Und warum? Weil man selber von der Kindheit so gelernt hat, ja, und auch vielleicht nie hinterfragt hat. Ja, und ja, das ist das Thema Scham. Weil es vielleicht auch ein bisschen unbequem ist, auch darüber zu sprechen, ja. Und es traut sich halt keiner.

Siegfried Lachmann: Wir hängen buchstäblich an alten Mustern?

Tim Baral: Ja, so könnte man sagen. Und so ein WASHLET, worüber wir hier reden, das soll ja kein Angriff auf unsere Gewohnheiten sein, sondern eher eine Einladung, vielleicht die bisherigen Gewohnheiten mal zu überdenken. Und das ist auch so der erste Schritt, wo ich sage, darum stehen wir hier und reden darüber, damit einfach in den Köpfen hoffentlich mal ein Umdenken oder zumindest mal die Bereitschaft dazu entsteht, sich über solche Dinge Gedanken zu machen.

Siegfried Lachmann: Und das macht dich zum Missionar?

Tim Baral: Vielleicht schon, aber Missionar hört sich auch immer so stark an. Also nicht falsch verstehen, ich mache das halt mit Wasser und jetzt nicht irgendwie mit Weihrauch oder so.

Siegfried Lachmann: Ich finde das psychologisch spannend. Wir sind Gewohnheitstiere, wir akzeptieren Dinge, die uns gar nicht guttun, einfach weil sie vertraut sind. Wie kriegst du Menschen dazu, das zu hinterfragen?

Tim Baral: Also erstens mal stelle ich keine Forderungen, sondern ich stelle einfach Fragen. Und da ich das jetzt schon ein paar Jahrzehnte mache, habe ich da auch schon ein bisschen Erfahrung und habe auch so schon gewisse Zugangsmöglichkeiten. Weil von sich aus kommen die wenigsten und sprechen aktiv darüber. Aber wenn man dann einfach die ein oder andere Frage stellt, zum Beispiel: Wie reinigst du dein Gesicht? Da sagt mir auch keiner: Ja, da nehme ich Papier und schmier da trocken drüber.

Ja, da steht auch keiner unter der Dusche und nimmt eine Rolle Klopapier und reibt sich von oben nach unten ab, sondern da wird einfach mit Wasser gereinigt. Und das sollte natürlich auch an den etwas sensibleren Bereichen des Körpers stattfinden können.

Und durch viele verschiedenen Fragestellungen oder auch, wenn man mit einem Menschen im Gespräch ist, dann merke ich schon, dass sich dann in den Köpfen was öffnet. Aber halt nicht durch Druck, sondern einfach durch Fragen stellen, durch Erkennen von einer Logik, und dann ist das eine ganz andere Gesprächsbasis. Und dann verstehen auch viele, dass es durchaus Sinn macht, sich mit dieser Thematik mal intensiver zu beschäftigen.

Siegfried Lachmann: Deine Worte entzaubern mir ein kleines Lächeln. Sokrates hätte so seine Freude an dir. Du nutzt Fragen zur Aufklärung.

Tim Baral: Genau, weil so eine Waschrevolution, die beginnt im Kopf, und als Erstes im Kopf und nicht im Badezimmer oder sonst wo.

Siegfried Lachmann: Also Tim, Butter bei die Fische: Was ist deine Vision hinter dem Ganzen? Was treibt dich an, dafür so leidenschaftlich zu werben?

Tim Baral: Ja, ich will ganz einfach, dass Menschen sich sauberer und würdevoller fühlen. Und ich will, dass Hygiene kein Thema von Scham ist, sondern von Selbstachtung. Und so ein WASHLET ist nur ein Werkzeug. Der Gedanke dahinter ist ja ein anderer. Der Gedanke, würde ich jetzt mal so beschreiben: Sigi, achte auf dich selbst. Und dann wirst du feststellen, wie sich vielleicht auch dein Leben etwas verändern wird.

Siegfried Lachmann: Also dann heißt das, es geht ja gar nicht um die Technik, sondern hier spielt Haltung eine Rolle.

Tim Baral: Ja, Haltung ist auch wieder so ein starkes Wort, aber das ist genau richtig beschrieben. Natürlich verkaufe ich die Geräte, aber um das geht es mir erst in zweiter Linie. Ich möchte, mein Ansatz ist, ich möchte das Bewusstsein verbreiten. Ich möchte, dass vielleicht in ein paar Jahren so ein WASHLET das neue Normal ist. Und ja, vielleicht auch irgendwo ein mentaler Fortschritt.

Siegfried Lachmann: Viele sagen ja, und das hast du ja auch schon gehört, das ist unnötig oder übertrieben, aber du argumentierst ja auch, und hier kommen wir nochmal auf diesen Begriff, du argumentierst ja auch eben mit dem Punkt der Nachhaltigkeit.

Tim Baral: Ja klar, nochmal: weniger Papier, weniger Chemie, weniger Abfall. Und das ist meiner Meinung nach dann die gelebte Ökologie, über die auch viele reden, aber halt immer nur so Lippenbekenntnis. Und nochmal, so ein WASHLET ist nicht nur komfortabel, sondern tatsächlich auch wirklich nachhaltig.

Klar, produziert werden muss es auch irgendwo, aber das ist ja wie bei allem, das ist ja überall gleich, ob ich eine normale Toilettenkeramik produziere oder eine, wo ich dann hinterher noch mit klarem Wasser auch gereinigt werde. Also ich brauche Hygiene mit Verstand.

Siegfried Lachmann: Sauberkeit als ökologisches Bewusstsein und nicht nur als Reinlichkeitswahn?

Tim Baral: Kann man so sagen, ja. Weil Sauberkeit ist ein Wert. Und wer versteht, dass dieser Wert mit Respekt und Umweltbewusstsein zusammenhängt, der verändert die Gesellschaft jetzt nicht im Großen, aber im Kleinen. Und jeder kleine Schritt, der trägt dann auch zu etwas Größerem bei, ganz automatisch.

Siegfried Lachmann: Lawinen beginnen manchmal auch im Kleinen.

Tim Baral: Ja, genau.

Siegfried Lachmann: Tim, ist das WASHLET ein Symbol für Wohlstand oder für Weisheit?

Tim Baral: Also so ein WASHLET steht für mich eher für Weisheit als für Wohlstand, muss ich ganz klar sagen.

Siegfried Lachmann: Missionare, die so unterwegs sind und manchmal auch so mit wehenden Fahnen und mit glühendem Herzen unterwegs sind, die werden ja manchmal auch belächelt für ihren totalen Einsatz. Ist das bei dir auch manchmal so?

Tim Baral: Ja, früher war das ganz oft so. Also wenn ich mir überlege, wo ich vor 15, 20 Jahren auf Gewerbeausstellungen stand mit solchen Duschtoiletten, da bin ich ausgelacht worden. Also das kann man schon so sagen.

Aber heute nicht mehr. Also vieles, was früher belächelt wurde, und wenn ich mir das so Revue passieren lasse, da sind junge Familien vorbeigelaufen, wo ich da stand mit dieser Toilette, und dann hat da das Wasser rausgespritzt, dann konnte man das anschauen, und dann haben die Kinder immer gefragt: Guck mal, Papa, Mama, was ist denn das da? Ja, da ist wieder der mit seiner Toilette, und da wurde ich tatsächlich belächelt. Da hieß es dann noch: Komm, der wieder mit seinem komischen Klo da, das ist doch nicht, das brauchen wir doch nicht, und das ist doch eh alles Quatsch.

Aber das ist heute Gott sei Dank nicht mehr so. Ich stelle fest, in der Gesellschaft hat schon ein Umdenken stattgefunden. Es kommen immer mehr Menschen auch zu mir, die das Thema aktiv ansprechen, und das freut mich natürlich riesig. Und ja, heutzutage ist es so, dass ich mit meiner Mission daran arbeite, dass das hoffentlich das neue Normal wird in den nächsten Jahren. So normal wie eine Waschmaschine zu Hause oder wie ein Fahrrad oder ein E-Bike.

Siegfried Lachmann: Genau, ja. Und wie gehst du mit Menschen um, die sagen: Ach, das brauche ich nicht?

Tim Baral: Ja, die lade ich einfach ein. Die lade ich einfach ein, das mal hinter zwei abschließbaren Türen auszuprobieren, sich einfach mal zu trauen, mal auf das Knöpfchen draufzudrücken, weil ich bin der Meinung, Überzeugung kann nur dann entstehen, wenn man selber mal die Erfahrung gemacht hat. Ich kann viel erzählen, das kannst du mal jetzt glauben oder nicht, aber immer dann, wenn du das selber mal ausprobiert hast, dann kannst du das dementsprechend auch sowohl positiv wie auch manchmal negativ auch weitergeben, ja klar.

Siegfried Lachmann: Danke, Tim. Wir kommen zum Ende: Wenn du in einem Satz sagen müsstest, warum die Welt ein WASHLET braucht, welcher wäre das?

Tim Baral: Ja, ein Satz, das ist immer schwierig bei mir, aber der könnte vielleicht lauten: Weil Selbstachtung mit Sauberkeit beginnt und Bewusstsein mit Komfort nichts zu tun hat.

Siegfried Lachmann: Okay. Schön gesagt. Vielleicht ist deine Mission gar nicht, Menschen zu überzeugen, sondern sie an ihre eigene Würde zu erinnern.

Tim Baral: Ja, ja. Weil genau derjenige oder diejenige, der das versteht, dass Sauberkeit kein Luxus ist, sondern Liebe zu sich selber, der hat es verstanden.

Siegfried Lachmann: Okay. Tim, herzlichen Dank auch für die heutige Ausgabe, für das Miteinander reden, sprechen, nachdenken.

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, wenn Sie das nächste Mal auf der Toilette sitzen, dann denken Sie kurz an Tim Baral, vielleicht haben Sie auch das Buch in der Hand. Denken Sie nicht zu lange, aber immerhin mit Respekt. Denn „Sauber macht glücklich“, und manchmal beginnt Glück eben mit einem Knopfdruck.