Cover des Podcasts „Sauber macht glücklich“ von Tim Baral

Sauber macht glücklich – Der Podcast · Folge 4 · 8 Min.

Warum eigentlich nicht mit Wasser? Meine Vision vom Dusch-WC in jedem Haushalt

Wir waschen unsere Hände mit Wasser, wir duschen mit Wasser und reinigen unser Gesicht mit Wasser. Warum verlassen wir uns ausgerechnet bei unserer intimsten Hygiene noch überwiegend auf trockenes Toilettenpapier?

In dieser Folge spricht Tim Baral über Dusch-WCs und die Intimreinigung mit Wasser und über seine Vision, dass diese Form der Hygiene auch bei uns eines Tages selbstverständlich werden könnte.

Dabei steht nicht die Technik im Mittelpunkt, sondern der Mensch und die Frage, wie wir eine jahrzehntelange Gewohnheit neu betrachten können.

Das Dusch-WC ist das Werkzeug. Entscheidend ist das Bewusstsein dahinter.

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Tim Baral präsentiert „Sauber macht glücklich“, der Hygiene-Podcast. Von und mit Tim Baral, als Interviewpartner Siegfried Lachmann.

Siegfried Lachmann: Herzlich willkommen, meine sehr verehrten Damen und Herren, zu einer neuen Ausgabe eines Podcasts aus der Reihe „Sauber macht glücklich“. Und heute steht auf der Agenda das Thema: „Ein WASHLET in jedem Haushalt – Vision, Wahn oder Weg in die Zukunft“. Auch heute wieder mein Gesprächspartner Tim Baral aus Denzlingen.

Lieber Tim, ich muss es direkt sagen: Wenn du von deiner Mission sprichst – und die ist ja für mich, die geht mir schon ins Herz und begeistert mich immer wieder neu –, „Ein WASHLET in jedem Haushalt“, dann klingt das für viele erst mal wie: Ach, der will die Welt von hinten her verändern. Tim, was steckt wirklich dahinter? Ein Marketing-Gag oder ein ernst gemeinter Hygieneauftrag?

Tim Baral: Ja, das ist alles wirklich kein Witz, und ich meine das auch sehr ernst. Wir reden über Komfort, Gesundheit, Würde und auch ein Stück Kultur. Und ich bin der Meinung, dass das WASHLET kein Luxusobjekt ist, sondern eine logische Weiterentwicklung der Hygiene. Und in Japan ist so was selbstverständlich, bei uns ist es immer noch eher Neuland.

Siegfried Lachmann: Also kann man sagen, wegen so einem Filmtitel, den es da gibt: nicht Mission Impossible, sondern Mission Hygiene.

Tim Baral: Ganz genau, ja. Und vielleicht auch ein bisschen Mission Menschlichkeit.

Siegfried Lachmann: Sag mal, wann kam dir die Idee, ausgerechnet ein WASHLET zur Mission zu machen? War das irgendwie ein persönliches Erlebnis oder eher ein gesellschaftlicher Impuls?

Tim Baral: Beides. 1996 meine ersten Berührungspunkte. Seither bin ich selbst überzeugter Nutzer. Und irgendwann habe ich dann auch gemerkt, dass wir ständig über Nachhaltigkeit, Körperbewusstsein, Selfcare und so weiter sprechen. Aber beim intimsten Thema, da sind wir technologisch tatsächlich noch im Mittelalter. Und da habe ich gedacht: Warum eigentlich nicht? Warum nicht mehr Komfort, mehr Sauberkeit und Gesundheit für alle? Weil da redet halt keiner drüber. Aber genau in dem Bereich fängt es an.

Siegfried Lachmann: Hand aufs Herz, Tim. Viele Menschen reagieren auf das Thema so ein bisschen mit Schmunzeln oder Abwehr. Warum ist es so schwer, über Intimhygiene offen zu sprechen?

Tim Baral: Ja, die Frage habe ich mir auch viele Jahre gestellt. Aber das Thema Scham ist letztendlich in unserer Gesellschaft noch die letzte akzeptierte Mauer. Und heute wird über alles geredet. Wir reden über Beziehungen, Sexualität, Burnout. Aber nicht über das, was direkt unter uns passiert. Und dabei ist so ein WASHLET nichts anderes als Respekt vom eigenen Körper.

Siegfried Lachmann: Ah, jetzt wird es spannend. Ist deine Mission wirklich umsetzbar? Also, du verlangst ja sehr viel. Aber das haben, glaube ich, auch Visionen und Missionen immer so mit drin, dieses Großdenken. Weil „ein WASHLET in jedem Haushalt“, das klingt nach einer Revolution, aber auf der anderen Seite auch nach einer enormen Herausforderung.

Tim Baral: Ja, natürlich, klar. Aber wie es halt so ist: Jede Veränderung beginnt mit dem Bewusstsein. Und wenn die Menschen verstehen, was so ein WASHLET – erst mal der Begriff, was das überhaupt ist – und was es bietet, auch in Bezug auf Gesundheit, Hygiene und Ökologie, dann würde auch die Bereitschaft wachsen. Und da bin ich absolut davon überzeugt, ja.

Siegfried Lachmann: In Japan ist dieses WASHLET längst Standard. Warum hinken wir in Deutschland, um nicht zu sagen auch in den westlichen Ländern, und auch hier in Deutschland, dem Land der Ingenieure, da so hinterher?

Tim Baral: Ja, das ist, weil Japan das Thema Sauberkeit als Wert absolut verinnerlicht hat. Das ist in Deutschland noch ein bisschen anders. Da denken wir oft zu technisch, aber weniger sinnlich. Weil dort ist das WC ein Teil des Wohlfühlraums. Da gibt es sogar spezielle Schühchen, wenn man in die Toilette reingeht. Das ist aber ein anderer Teil der Geschichte. Aber das WC ist tatsächlich ein Teil des Wohlfühlraums. Und hier bei uns in Deutschland ist es eher so ein Ort: schnell rein, schnell wieder raus.

Siegfried Lachmann: Tim, darf ich mal provokant sein?

Tim Baral: Ja, gern.

Siegfried Lachmann: Ist das WASHLET deine Religion?

Tim Baral: Nein, ein WASHLET ist logischerweise keine Religion für mich. Thema Mission betitelt es schon eher. Aber es ist einfach eine sinnvolle und eine menschenfreundliche Lösung. Und die zeigt, wie Wasser unser Wohlbefinden tatsächlich verändern kann. Also genau in dem Bereich auch. Weil wir sind so eine Wischkultur. Und es gibt nichts Schöneres, wie sich mit klarem Wasser zu reinigen.

Siegfried Lachmann: Okay. Wird denn der Mensch dadurch glücklicher oder einfach nur sauberer?

Tim Baral: Also Fakt ist, es macht die Menschen sauberer. Und genau dadurch auch oftmals glücklicher. Weil wenn ich mich in meiner eigenen Haut wohlfühle, dann überträgt sich das in aller Regel auch auf mein Gegenüber oder auf die Gesellschaft.

Siegfried Lachmann: Ich hatte ja gefragt, ob ich ein bisschen provokant werden darf. Wenn du die Wahl hättest: ein WASHLET für alle oder Frieden auf Erden?

Tim Baral: Ja, Frieden auf Erden, ist ja klar. Weil ich sage, echte Menschlichkeit ist immer größer als jede – wenn sie noch so toll ist – jede technische Lösung. So sinnvoll sie auch irgendwo sein mag.

Siegfried Lachmann: Und wer ist der größere Missionar? Du oder der oder die Hersteller?

Tim Baral: Der größte Missionar ist am Ende immer der Mensch. Und immer derjenige, der es mal selber erlebt hat. Und die Begeisterung, die derjenige oder diejenige dann ausstrahlt, die wirkt immer stärker als jede Marke oder jede Theorie.

Siegfried Lachmann: Tim, wenn ich heute auf dein Buch „Sauber macht glücklich“ und deine Mission schaue, dann geht es dir nicht in erster Linie um Technik, sondern, so wie ich das verstanden habe, geht es bei dir um Haltung – Sauberkeit als ein innerer Wert. Kann man das so im Eigentlichen sagen, dass es der Kern deiner Botschaft ist?

Tim Baral: Ja, ja. Und vielleicht auch ein Stück Zukunft, das stimmt schon, ja. Also wer das WASHLET versteht, der versteht auch, dass Fortschritt im Alltag beginnt. Und eben nicht in der Theorie, das ist der Punkt.

Siegfried Lachmann: Tim, herzlichen Dank für deine Zeit. Danke für deine Antworten, und an alle Hörerinnen und Hörer: Wenn Sie das nächste Mal auf der Toilette sitzen, denken Sie doch an Tim Baral. Vielleicht haben Sie auch das Buch dabei. Nicht zu lange, aber mit Respekt. Denn Sauberkeit, und das ist die Botschaft, beginnt da, wo Bewusstsein wächst.